Wohnbaufinanzierung für Grenzgänger

Grenzgänger: Arbeit in der Schweiz oder in Liechtenstein, Immobilie in Vorarlberg
Grenzgänger pendeln zwischen zwei Ländern und beziehen ihr Gehalt in der Währung des Arbeitsortes. Viele österreichische Grenzgänger wohnen in Vorarlberg und pendeln in die Schweiz oder Liechtenstein. Nicht wenige Grenzgänger möchten sich – trotz der hohen Immobilienpreise – in Vorarlberg ein Traum vom Eigenheim oder der Eigentumswohnung erfüllen. Bei der Wohnbaufinanzierung für Grenzgänger gibt es einiges zu beachten. Martin Häusler ist Spezialist für die Baufinanzierung beim Kreditmakler B-Quadrat in Dornbirn und weiß worauf Grenzgänger zu achten haben.
Herr Häusler, was sind denn die Besonderheiten bei Grenzgänger, die in der Schweiz oder in Liechtenstein arbeiten und in Vorarlberg eine Immobilie kaufen bzw. finanzieren?
Martin Häusler: Da die Immobilienpreise im Rheintal bzw. mittlerweile eigentlich in ganz Vorarlberg sehr hoch sind, ist für die Finanzierung ein hohes Einkommen und ein Eigenkapital, von mindestens 15 %, eher aber sogar 20 % notwendig. In der Regel bringen Grenzgänger das mit, da die Löhne in der Schweiz und in Liechtenstein, deutlich höher sind als in Österreich. Die gute Bonität macht Grenzgänger für die Banken also attraktiv. Zudem profitieren Sie von einer Besonderheit bei der Altersversorgung. Aus der zweiten Säule, der Pensionskasse, gibt es nämlich eine Entnahme-Option für selbstgenutztes Wohnen. Die Entnahme muss zwar versteuert werden, Sie bringen jedoch zusätzliches Kapital, welches in die Finanzierung mit eingebracht werden kann.
Wenn österreichische Banken Immobilien für Grenzgänger finanzieren – geschieht das dann in Euro?
Martin Häusler: Teils, teils. Eine Finanzierung in Euro bietet grundsätzlich mehr Möglichkeiten, da viele Banken Euro-Finanzierungen anbieten und die Immobilie selbst ebenfalls in Euro bewertet wird. Dadurch bleibt der Kredit im Verhältnis zum Objekt konstant und verändert sich nicht durch Währungsschwankungen zwischen Euro und Schweizer Franken.
Für Grenzgängerinnen und Grenzgänger stellt sich die Situation jedoch oft anders dar. Wer sein Einkommen in Schweizer Franken erhält, aber einen Kredit in Euro zurückzahlt, trägt ein gewisses Währungsrisiko. Verändert sich der Wechselkurs ungünstig, kann sich die tatsächliche Belastung spürbar verändern. Im Einzelfall sollte dieses Risiko daher sehr genau geprüft werden.
Aufgrund der veränderten Zinssituation der letzten Jahre – mit deutlich gestiegenen Euro-Zinsen und weiterhin vergleichsweise attraktiven Schweizer-Franken-Zinssätzen – entscheiden sich immer mehr Grenzgänger dafür, ihre Wohnbaufinanzierung ganz oder teilweise in Schweizer Franken abzuschließen.
Der Vorteil: Wenn Einkommen und Kreditrate beide in Schweizer Franken laufen, wird das Währungsrisiko zwischen Gehalt und Rückzahlung deutlich reduziert. Die monatliche Belastung bleibt besser planbar und passt besser zur tatsächlichen Einkommenssituation.
Ob eine Finanzierung in Euro, in Schweizer Franken oder eine Kombination aus beiden Varianten sinnvoll ist, hängt jedoch immer von der persönlichen Lebenssituation, der Risikobereitschaft, der Immobilie und den langfristigen Plänen ab. Genau deshalb ist eine individuelle Beratung besonders wichtig.
Grenzgänger sollten Ihre Immobilienfinanzierung also lieber in Schweizer Franken abschließen?
Martin Häusler: Baufinanzierungen in Schweizer Franken können für Grenzgängerinnen und Grenzgänger sehr attraktiv sein, sollten aber gut geprüft werden. Im Vergleich zu Euro-Finanzierungen stehen oft weniger Banken und Produkte zur Auswahl. Gleichzeitig haben sich die Möglichkeiten deutlich erweitert: Seit Kurzem können wir neben variablen Finanzierungen auch Fixzinslösungen in Schweizer Franken anbieten.
Damit wird eine CHF-Finanzierung auch für Kunden interessanter, die sich mehr Planbarkeit und Zinssicherheit wünschen. Welche Lösung am besten passt – Euro, Schweizer Franken, Fixzins, variabler Zinssatz oder eine Kombination daraus – hängt immer von der persönlichen Situation ab.
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Wie sieht denn nun die optimale Wohnbaufinanzierung für Grenzgänger aus?
Martin Häusler: Das ist schwierig pauschal zu beantworten, da es von vielen individuellen Faktoren abhängt. Für viele ist das eine Kombination zwischen Euro und Schweizer Franken. Das ist problemlos möglich und hat den Vorteil, dass man das beste aus beiden Welten bekommt. Einerseits minimiert der Franken Anteil das Währungsrisiko, andererseits erhält man mit der Euro Finanzierung eine viel größere Produktauswahl und eine höhere Flexibilität, z.B. durch lange Zinsbindungen, Zinsbandbreitenkrediten und vielen zusätzlichen individuellen Möglichkeiten. Welche Produkte und Währung bzw. welcher Mix konkret sinnvoll ist, ist aber von Fall zu Fall unterschiedlich.
Bekommen eigentlich Schweizer oder Liechtensteiner Staatsangehörige, die in Vorarlberg kaufen oder bauen wollen auch einen Kredit von einer österreichischen Bank?
Martin Häusler: Selbstverständlich. Das kommt sogar sehr häufig vor, denn als Kapitalanlage eignen sich Immobilien in Vorarlberg eher als in der Schweiz oder in Liechtenstein, wo die Mietrendite relativ gering ist. Und da nur eine österreichische Bank in das österreichische Grundbuch eintragen kann, wird in der Regel über Österreich finanziert.
