Was Sie wissen sollten, bevor der Vorsorgeberater kommt

Das Thema Vorsorge ist ein Milliardengeschäft für Banken und Versicherungen. Nicht immer muss das, was für den Anbieter gut ist, auch für mich gut sein.

 

Grundsätzlich sind folgende Punkte bei Abschlüssen von Vorsorgeverträgen zu beachten:

Inflation/Steuern

Da es sich bei der Vorsorge um Leistungen für die Zukunft handelt, muss man sich die Frage stellen, wie viel an Kaufkraft hat mein Geld in Zukunft und wie hoch ist dann die Steuerbelastung? Da die wenigsten Berater hellseherische Fähigkeiten besitzen, kann im besten Fall nur von Schätzungen ausgegangen werden. Das Inflationsziel der Europäischen Zentralbank liegt derzeit bei 2 %. Wenn Sie der Meinung sind, das sei zu niedrig geschätzt, rate ich Ihnen, Ihre Vorsorge etwas großzügiger zu bemessen. Ihr Ertrag in der Vorsorge beginnt erst bei einer Verzinsung über der Inflationsrate. Ist das nicht der Fall, wird Ihr Geld scheibchenweise vernichtet.

 

Einnahmen/Ausgaben

Vor einer Beratung empfehle ich Ihnen, Ihre persönlichen Einnahmen den Ausgaben gegenüberzustellen. Als durchschnittliche Ausgabe für den Vorsorgebereich ist zwischen 5 % bis 15 % Ihres Nettoverdienstes auszugehen. Bei hohen Einkommen kann dies auch noch mehr sein, da die gesetzliche Pensionsversicherung Höchstbeitragsgrundlagen einzieht und somit die Pensionshöhe nach oben gedeckelt ist. Eine weitere gute Möglichkeit ist Ihre Fixkosten zu analysieren und sich zu überlegen, welche Kosten bleiben auch in der Pension und welche fallen eventuell weg. Je höher die Fixkosten sind, umso mehr sollen Sie in die Altersvorsorge investieren.

 

Ziele

Jeder Finanz- und Vorsorgeplan sollte auf Ihre Ziele zugeschnitten sein. Hier gehen die Überlegungen vom Erwerb einer Immobilie bis hin zur Firmengründung. Auch die Frage nach der beruflichen Zukunft oder einem Wohnortwechsel ist zu stellen. Selbstverständlich dürfen auch familiäre Überlegungen wie zum Beispiel eine Babypause nicht ausgespart werden. Am besten, Sie schreiben sich regelmäßig auf, welche Ziele Sie verfolgen und was Sie sich vom Leben erwarten. Das können auch nichtmaterielle Ziele sein, wie zum Beispiel mehr Freizeit oder früher als gesetzlich vorgeschrieben in Pension zu gehen. Bedenken Sie dabei: Nur wer ein Ziel definiert hat, wird auch dort ankommen.

 

Ertrag/Risiko

Ertrag und Risiko sind Geschwisterpaare, eines ist ohne das andere nicht möglich. Übersetzt heißt das: je mehr Ertrag Sie ansteuern wollen, umso höher wird das Risiko sein, das Sie eingehen. Darum überlegen Sie genau, welche Ertragserwartung Sie stellen und wie hoch das Risiko sein darf, um keine bösen Überraschungen zu erleben. Bedenken Sie auch, dass es bei so langen Zeiträumen auch zu systemischen Risiken kommen kann, also zu Risiken, welche uns heute noch gar nicht als Risiken bekannt sind. Das Grundprinzip der Risikoverminderung ist, auf mehreren Beinen zu stehen, aufziehende Gewitterwolken richtig zu deuten und daraus Konsequenzen abzuleiten. Bei der Ertragsberechnung immer auch die Kosten, Steuern, und Gebühren berücksichtigen! Nur was netto über der Inflationsrate herauskommt, kann als Ertrag gelten, und dieser ist in Zeiten wie diesen nicht so einfach zu erreichen. Als einfache Formel für das Risiko gilt: Investiere nur in etwas, das du auch verstanden hast.

 

Bestehende Verträge

Bauen Sie bereits bestehende Verträge in Ihr Vorsorgekonzept mit ein und widerstehen Sie einer zu raschen Kündigung! Leider stelle ich immer mehr fest, dass bestehende Vorsorgeverträge zu leichtfertig gekündigt werden. Hier macht sich der Umsatzdruck auf die Bankmitarbeiter bemerkbar. Einen bestehenden Vertrag zu kündigen rechnet sich im Normalfall nur für den Berater, welcher einen neuen Vertrag abschließt. Da die Vertragskosten – Provision – in den ersten fünf Jahren anfallen, rechnet sich ein Vorsorgevertrag nur dann, wenn er über längere Zeit bestehen bleibt. Gerechtfertigt ist dies nur, wenn der Vertrag mit der Risikobereitschaft des Kunden nicht übereinstimmt und die Kostenbelastung zu hoch ist. Die sollte aber entsprechend dokumentiert werden, damit der Kunde dies plausibel nachvollziehen kann. Die Verträge der neuen Generation weisen auch die notwendige Flexibilität auf, um auf geänderte Lebensumstände Rücksicht zu nehmen. Eine Kündigung ist damit nur mehr in Ausnahmefällen notwendig.

 

Flexibilität

Bauen Sie Ihren Vorsorgeplan so auf, dass er mit Ihren unterschiedlichsten Lebensphasen mithalten kann. Damit können Sie Ihre Vorsorge durch Nachjustieren Ihren geänderten Bedürfnissen anpassen, ohne gleich das Gesamtkonzept über den Haufen zu werfen, was wiederum mit unnötigen Kosten verbunden wäre.

 

Schlussbemerkung

Das Thema Vorsorge ist ein sehr wichtiges und weitreichendes Gebiet geworden. Nehmen Sie sich genügend Zeit dafür und suchen Sie sich einen kompetenten Berater welcher in der Lage ist, Sie unabhängig und ohne Umsatzdruck zu beraten und ein Leben lang zu begleiten.