Wer glaubt, dass die gesetzliche Unfallversicherung alleine ausreicht, um nach einer Berufskrankheit oder einem Unfall mit bleibenden Gesundheitsschäden dadurch entstandene Einkommenseinbußen auszugleichen irrt sich, wie aktuelle Zahlen zeigen.

 

So viel zahlt die gesetzliche Unfallversicherung
Eine Statistik des Hauptverbandes der Sozialversicherungs-Träger zeigt, dass die Zahl der Unfallversicherungs-Verhältnisse in den letzten Jahren gestiegen ist. Gesunken ist hingegen die Zahl der anerkannten Arbeits- und Wegeunfälle. Im Durchschnitt lag die Höhe der Renten aus der Unfallversicherung im Dezember 2012 bei € 394. Unter den einzelnen Versichertengruppen war die Rentenhöhe bei den Selbstständigen sogar noch niedriger.

Die soziale Unfallversicherung ist eine Pflichtversicherung für selbstständig Beschäftigte, unselbstständig Erwerbstätige sowie für SchülerInnen, Studenten und Studentinnen.

Sie zahlt unter anderem Unfallheilbehandlungen, Rehabilitationen sowie Zuschüsse für Entgeltfortzahlung, wenn der/die Versicherte infolge eines Arbeitsunfalles oder auch im Falle einer auftretenden Berufskrankheit behandelt werden muss.

Versehrtenrente
Der Versicherte kann zudem Anspruch auf eine Versehrtenrente haben, wenn seine Erwerbsfähigkeit unter anderem über 3 Monate nach Eintritt des Versicherungsfalles hinaus um mindestens 20 Prozent vermindert ist. Sie soll helfen, den durch die Minderung der Erwerbsfähigkeit bedingten Einkommensausfall und die Mehrbelastung durch die Behinderung auszugleichen.

Bei einer 100-prozentigen Erwerbsunfähigkeit beträgt die Jahresrente zwei Drittel der Bemessungsgrundlage. Es handelt sich dann um eine Vollrente.

Ist die Erwerbsfähigkeit geringer, bekommt der Versicherte eine Teilrente. Als Bemessungsgrundlage gilt in der Regel die Summe der beitragspflichtigen Bruttoentgelte im letzten Jahr vor Eintritt des Versicherungsfalles bis zur Höchstbeitragsgrundlage, geteilt durch 14.

Mehr Versicherte, weniger anerkannte Versicherungsfälle
Die Zahl der gesetzlich unfallversicherten Österreicher steigt seit 2004 – mit einem leichten Knick 2009 – kontinuierlich an. Nach der Statistik des Hauptverbandes der Sozialversicherungs-Träger stieg sie von 2004 mit durchschnittlich 5.739.715 Versicherten (Unfallversicherungs-Verhältnisse) im Jahr 2010 auf rund sechs Millionen und betrug in 2011 knapp 6,1 Millionen.

Genau gegenläufig entwickelte sich die Zahl der anerkannten Arbeits- und Wegeunfälle: Von 151.126 in 2008 sank sie auf 126.310 im Jahr 2011. Berufskrankheiten und Unfälle von Schülern und Schülerinnen sowie Studenten und Studentinnen sind in dieser Zahl nicht erfasst. Die Zahl der Berufskrankheiten belief sich Ende 2011 auf 1.498, die Zahl der Versicherungsfälle bei Schülern und Schülerinnen sowie Studenten und Studentinnen auf 54.373.

Die Anzahl der Renten aus der gesetzlichen Unfallversicherung – Versehrten-, Witwen,- Witwer- und Waisenrenten – ist ebenfalls zurückgegangen. Ende 2007 lag sie noch bei 106.000 und sank dann Jahr für Jahr auf nur noch 102.026 im Dezember 2012.

Durchschnittliche Rente Ende 2012 bei € 394 
Über alle Versicherungsträger gerechnet, betrug die Unfallrente im Dezember 2012 durchschnittlich € 394. Ein Jahr zuvor, also 2011, waren es € 380, 2010 € 371. Die Versehrtenrentner erhielten Ende 2012 bei einer Vollrente im Schnitt € 1.771.

In die Zuständigkeit der Allgemeinen Unfallversicherungsanstalt (AUVA) entfielen Ende des vergangenen Jahres 77,1 % aller Unfallversicherungs-Verhältnisse. Hier lag der Durchschnittswert über alle Rentenarten 2012 bei € 439.

Unterscheidet man nach Versichertengruppen, so zeigt sich: Bei Selbstständigen ist die Rentenhöhe mit Abstand am niedrigsten. Im Dezember 2011 bewegte sie sich bei nur € 224 – das sind 41 Prozent weniger als der Gesamtschnitt.

Durchschnittliche Höhe der Renten in der Unfallversicherung (nach Versichertenkategorien, Dezember 2011)
Kategorie Alle Renten Versehrtenrente Witwen-/Witwerrente Waisenrente Eltern-/Geschwisterrente
Alle 380 349 580 390 398
Unselbständige 435 401 653 434 398
Selbständige 224 203 368 259
Schüler, Studenten 637 649 480 330
Sonstige 519 513 579 391
Alle Angaben in Euro. Quelle: Hauptverband der Sozialversicherungs-Träger, Monatsbericht Dezember 2012.

 

Absicherungslücken schließen
Wie die Zahlen zeigen, ist die Versehrtenrente der gesetzlichen Unfallversicherung begrenzt, so dass diese die Einkommenslücke zum bisherigen Aktiveinkommen oftmals nicht ausgleichen kann. Zudem erhält man eine derartige Leistung nur, wenn der gesetzliche Schutz greift. Das heißt für Unfälle in der Freizeit, aber auch für Hausfrauen und -männer, Kleinkinder oder Verkehrsunfälle, die nicht im Zusammenhang mit dem Arbeitsweg stehen, besteht kein gesetzlicher Unfallschutz.

Die private Versicherungswirtschaft bietet zahlreiche Lösungen an, um einen fehlenden oder auch unzureichenden gesetzlichen Schutz abzudecken. Zu nennen ist unter anderem eine private Unfallversicherung. Diese greift im Gegensatz zum gesetzlichen Unfallschutz weltweit und rund um die Uhr. Zudem kann die Höhe der Kapitalsumme oder/und Rentenleistung im Invaliditätsfall individuell passend gewählt werden.

Für Erwachsene wird zur Einkommensabsicherung im Falle, dass nach einem Unfall oder einer Krankheit dauerhaft kein Beruf mehr ausgeübt werden kann, eine Berufsunfähigkeits-Versicherung angeboten. Ihr Vorsorgeexperte hilft, den individuell passenden Versicherungsschutz zu finden.