Zwar können nach einer aktuellen Studie viele Bürger wichtige Symptome eines Herzinfarktes oder Schlaganfalles benennen, doch nur wenige wissen auch, was im Ernstfall zu tun ist.

 

Gefährliche Wissenslücken zu Herzinfarkt und Schlaganfall
Es gibt untrügliche Anzeichen für einen Herzinfarkt oder Schlaganfall. Laut einer aktuellen Studie kennen zwar die Bürger in Österreich und Deutschland im Vergleich zu sieben anderen europäischen Staaten am meisten Herzinfarkt- und Schlaganfall-Symptome. Allerdings wissen die Österreicher und Deutschen am wenigsten, was sie unternehmen müssen, um den Betroffenen nach einem Schlaganfall das Leben zu retten.

Das Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung hat in Zusammenarbeit mit der Gesellschaft für Konsumforschung eine repräsentative Studie erstellt, die zeigt, inwieweit Bürger einen Herzinfarkt oder Schlaganfall richtig erkennen und entsprechende Hilfsmaßnahmen einleiten können. Dazu wurden 10.000 Personen in neun europäischen Ländern befragt.

Insgesamt kennen nur wenige Europäer die typischen Anzeichen eines Herzinfarktes oder Schlaganfalles. Und auch bei der Frage nach den Erste-Hilfe-Maßnahmen gibt es erhebliche Defizite. Bei mehr als der Hälfte der Europäer ist der Brustschmerz das einzige Herzinfarktanzeichen, das ihnen geläufig ist. Rund acht Prozent kennen kein einziges Symptom, das auf einen Herzinfarkt hinweist. Für fast 20 Prozent sind die Anzeichen eines Schlaganfalles unbekannt.

Nur Teilwissen vorhanden
Bei der Aufgabenstellung, welche Krankheitsanzeichen für einen Herzinfarkt oder Schlaganfall typisch sind, lagen die Österreicher, Engländer und Deutschen ganz vorne. Von sechs Herzinfarktsymptomen, die in einer Anzeichenliste aufgeführt waren, erkannten sie im Durchschnitt rund drei Symptome und damit die meisten. Schlusslicht waren die Italiener, Polen, Spanier und Russen. Diese erkannten weniger als zwei Symptome.

Beim Schlaganfall wussten die Österreicher und Deutschen, dass zumindest fünf der 14 zutreffenden Symptome ein typisches Anzeichen dafür sind. Italien und Spanien kannten nur zwei charakteristische Schlaganfallsymptome. Besonders schlecht schnitten die befragten Österreicher und ihre deutschen Nachbarn jedoch beim Thema Soforthilfe im Falle eines Schlaganfalles ab. Die Hilfsmaßnahme, die für einen betroffenen Schlaganfallpatienten am wichtigsten ist, nämlich sofort einen Krankenwagen zu rufen, nannten nur rund ein Drittel der Österreicher und Deutschen.

30 Prozent der Österreicher empfahlen stattdessen fatalerweise, dem Betroffenen Tee oder Wasser zu trinken zu geben oder ihn ins Bett zu legen und abzuwarten. Anders bei den anderen Europäern: Zwei Drittel der polnischen und russischen Befragten und die Hälfte der anderen Europäer würden sofort den Krankenwagen rufen.

Anzeichen eines Herzinfarktes oder Schlaganfalles
Beim Herzinfarkt kommt es beispielsweise durch Ablagerungen zu einem Verschluss eines Herzkranzgefäßes. Bei einem Schlaganfall ist nicht das Herz, sondern das Gehirn betroffen. Auch hier kann es zu Verstopfungen von wichtigen Arterien oder zum Reißen eines Gefäßes kommen.

Nach Angaben von Gesundheitsspezialisten ist ein Herzinfarkt unter anderem daran zu erkennen, dass ein oder mehrere der folgenden Anzeichen auftreten:

  • Schwere, länger als fünf Minuten anhaltende Schmerzen im Brustkorb, die in Arme, Schulterblätter, Hals, Kiefer, Oberbauch ausstrahlen können – ein besonderes Alarmzeichen ist nächtliches Erwachen mit Schmerzen im Brustkorb,
  • ein starkes Engegefühl, ein heftiger Druck oder ein Brennen im Brustkorb,
  • Kurzatmigkeit,
  • Beklemmungsgefühle,
  • Übelkeit, Schwindel, Brechreiz und/oder
  • Schwächegefühl auch ohne Schmerz bis hin zur Bewusstlosigkeit, eine blasse, fahle Gesichtsfarbe und kalter Schweiß.
  • Anders als bei Männern sind bei Frauen Atemnot, Übelkeit, Schmerzen im Oberbauch, Brechreiz und Erbrechen häufig bereits alleinige Alarmzeichen.

Einen Schlaganfall erkennt man ein einem der folgenden Symptome:

  • Schlagartig einsetzende sehr starke Kopfschmerzen,
  • plötzliche Sehstörungen und/oder verminderte Hörfähigkeit,
  • Probleme beim Sprechen und/oder beim Sprachverstehen,
  • Benommenheit und Schwindel,
  • Störungen des Gleichgewichts beim Gehen und Stehen oder der Koordinationsprobleme beim Greifen, aber auch an
  • Lähmungserscheinungen und/oder ein Taubheitsgefühl zum Beispiel im Gesicht, angezeigt beispielsweise durch einen plötzlich herunterhängenden Mundwinkel, oder auch bei anderen Körperteilen wie Armen oder Beinen

Die richtigen Sofortmaßnahmen
Grundsätzlich ist bei den genannten Anzeichen eines Herzinfarktes oder Schlaganfalles sofort der Rettungswagen unter der Telefonnummer 112 oder 144 zu rufen. Dabei sollte schon darauf hingewiesen werden, dass es sich um einen möglichen Herzinfarkt oder Schlaganfall handelt.

Ist der Betroffene bei Bewusstsein, sollte er dann schonend, das heißt bequem, mit erhöhtem Oberkörper gelagert werden, da dies zum Beispiel das Herz entlastet. Kleidung, die den Kranken einengt, ist zu öffnen. Liegt der Patient, sollte er in eine stabile Seitenlage gebracht und abgeschirmt werden, um Unruhe, Aufregung und Anstrengung zu vermeiden. Einem Betroffenen, der vermutlich einen akuten Schlaganfall hat, darf zudem nichts zu essen oder zu trinken gegeben werden, da sein Schluckreflex gestört sein könnte und Erstickungsgefahr besteht.

Ist der Betroffene bewusstlos und atmet er nicht oder nicht normal, muss von einem plötzlichen Herzstillstand ausgegangen werden. Dann reicht es nicht, den Notarzt zu rufen. Anwesende müssen dann zusätzlich sofort mit einer Herzdruckmassage beginnen, bis der Notarzt eintrifft, um die Überlebenschancen für den Herzinfarkt-Betroffenen zu verbessern. Wenn ein Defibrillator zur Verfügung steht, wie dies häufig auf Flughäfen, Bahnhöfen oder auch in öffentlichen Gebäuden der Fall ist, sollten die Anwesenden diesen einschalten und den Anweisungen folgen.

Detaillierte Informationen
Detaillierte Informationen, wie man einen Schlaganfall oder einen Herzinfarkt erkennt und welche Sofortmaßnahmen sinnvoll sind, können im Gesundheitsportal des Bundesministeriums für Gesundheit nachgelesen werden.

Wer sichergehen will, dass er im Notfall das Richtige tut, sollte einen Erste-Hilfe-Kurs belegen und diesen regelmäßig auffrischen.

Angeboten werden solche Kurse unter anderem von Hilfsorganisationen wie dem Österreichischen Rote Kreuz, dem Arbeiter-Samariter-Bund Österreich, der Johanniter-Unfall-Hilfe und dem Malteser Hospitaldienst Austria. Aber auch einige privat zugelassene Bildungsanbieter führen entsprechende Kurse durch.

 

Quelle: Versicherungsjournal 23.09.2014