Damit Sie bei Verlust der Arbeitskraft nicht in ein finanzielles Loch fallen

Stellen Sie sich einmal vor, in Ihrem Keller befindet sich eine Maschine, die pünktlich am Ersten eines jeden Monats regelmäßig € 2.000 ausspuckt.

Hand aufs Herz: Ich glaube, Sie würden jede erdenkliche Versicherung abschließen, damit Ihnen diese € 2.000 Euro erhalten bleiben. Insbesondere dann, wenn Sie auf dieses Geld angewiesen sind, um Ihre Fixkosten zu bedienen.

Diese Maschine befindet sich auch in Ihrem Besitz – es ist Ihre Arbeitskraft. Solange Sie gesund und arbeitsfähig sind, ist alles kein Problem. Die Familie kann versorgt werden, die Hausrückzahlungen oder Mieten können bezahlt werden und auch für die Altersvorsorge bleibt noch Geld übrig.

Was ist aber, wenn Sie aus gesundheitlichen Gründen Ihren Beruf nicht mehr voll ausüben können – was passiert dann, und wie kann man sich in diesem Fall absichern?

 

 

Grundsätzlich unterscheiden wir zwischen der staatlichen Vorsorge im Rahmen der Sozialversicherung und der privaten Vorsorge:

 

Sozialversicherung

In erster Linie steht bei der Sozialversicherung der Grundsatz: „Rehabilitation vor Pension“. Das bedeutet, jeder Pensionsantrag ist zuerst einmal ein Ansuchen auf Rehabilitation. Erst, wenn nach erfolgter Rehabilitation eine Eingliederung ins Berufsleben nicht mehr zumutbar ist, gibt es eine Pension. Verweigert jemand die „Reha“, gebühren ihm keinerlei Leistungen aus der Sozialversicherung. Durch diese Maßnahmen soll mit hoher Wahrscheinlichkeit eine Wiedereingliederung in den Arbeitsmarkt sichergestellt werden. Dies kann meiner Meinung nach nur dann von Erfolg gekrönt sein, wenn damit einhergehende arbeitsmarktpolitische Begleitmaßnahmen geschehen.

Reha oder Berufsunfähigkeitsrente
Vater Staat hat Ernst gemacht und seine Fürsorgepflicht neu definiert, besser gesagt: zurückgeschraubt. Wer künftig gesundheitsbedingt seine Arbeitskraft verliert, sollte deshalb auf privatem Wege für seine finanzielle Absicherung sorgen.

Anfang Jänner 2014 hat der Staat seine Versorgung beim Verlust der Arbeitskraft umgestellt, genau genommen zurückgeschraubt. Denn Verbraucher haben nur noch bei dauerhafter Invalidität bzw. Berufsunfähigkeit (BU) einen Anspruch auf eine entsprechende staatliche Pension, der nach zwei Jahren grundsätzlich überprüft wird. Befristete Invaliditäts- bzw. BU-Leistungen gibt es hingegen nicht mehr. Stattdessen haben Personen, die ihren Beruf gesundheitsbedingt für eine Dauer von mindestens 6 Monaten nicht ausüben können, Anspruch auf ein Rehabilitations- bzw. Umschulungsgeld. Wie bereits erwähnt ist die Teilnahme an den „zumutbaren“ Leistungen verpflichtend, sonst wird das Reha-Geld gestrichen. von den Einschnitten sind alle Verbraucher betroffen, die das 50. Lebensjahr am 01. Jänner 2014 noch nicht erreicht haben.

Kurzum: Reha geht vor BU. Das müsste die Österreicher wachrütteln. Statistisch gesehen trifft es jeden Fünften und das Risiko, berufsunfähig zu werden, dürfte künftig eher zunehmen. Denn die Zahl psychischen Erkrankungen hat sich in etwa verdoppelt, sodass sie inzwischen quasi genauso häufig als Ursache zu nennen sind wie Erkrankungen des Skelettes, der Muskeln und des Bindegewebes. Zudem tritt die Berufsunfähigkeit, nach Angaben der österreichischen Sozialversicherung, im Durchschnitt bei Frauen und bei Männern schon mit dem 50. bzw. 53. Lebensjahr ein, das bedeutet, die Betroffenen sind häufig sogar noch viel jünger. Wer dann aber den Ausfall seines Arbeitseinkommens nicht durch eigene Rücklagen ausgleichen kann, dem droht oft der soziale Abstieg. Auch die private Pensionsvorsorge lässt sich dann oft nicht mehr in dem erforderlichen Umfang finanzieren.

 

Private Berufsunfähigkeitsversicherung

Die BU-Versicherung leistet im Regelfall, wenn der Versicherte mindestens 6 Monate und zu mehr als 50% berufsunfähig ist, eine in der Höhe nach vereinbarte Rente.

Der Vorteil gegenüber der Sozialversicherung ist, dass keine Rehabilitationspflicht besteht, und dass je nach Versicherungsbedingungen auch auf das „abstrakte Verweisungsrecht“ verzichtet werden kann. Somit ist es nicht selten, dass die Sozialversicherung die Renten ablehnen, währenddessen die privaten Versicherungen zahlen. Voraussetzung für eine BU ist ein guter Gesundheitszustand. Hier darf auf keine Fall bei den Antragsfragen gemogelt werden, weil sonst die Versicherungen in diesem Fall nicht zahlen müssen (vorvertragliche Anzeigepflicht). Die Prämien sind, abhängig von Rentenhöhe, Laufzeit, Beruf, Gesundheitszustand und Eintrittsalter, der Höhe nach unterschiedlich. Je jünger Sie sind, desto günstiger ist auch die Prämie, denn im Regelfall ist auch der Gesundheitszustand in jungen Jahren noch besser. Empfehlenswert ist, auf alle Fälle einen Leistungszeitraum der BU bis zum Pensionsantritt zu vereinbaren, auch wenn dies eine höhere Prämie nach sich zieht, weil das das Risiko der Rentenzahlungen durch das höhere Alter und die längere Laufzeit für die Versicherungen größer wird. Als Kompromiss für den Sparmeister könnte noch ein Leistungszeitraum bis zum 57. Lebensjahr gesehen werden, da ab diesem Zeitpunkt in der gesetzlichen Sozialversicherung bereits der verbesserte Zugangschutz zur gesetzlichen Rente besteht. Die Annahmepolitik der Versicherungen ist alles andere als einheitlich, deshalb lohnt es sich, auf jeden Fall zu vergleichen und die Versicherungsbedingungen genau zu studieren.

Es gibt auch die Möglichkeit, die BU mit einer klassischen Lebens- und Rentenversicherung zu kombinieren, wobei die Beiträge der Lebensversicherung durch die BU abgedeckt werden. Durch diese Kombination ist die Altersvorsorge auch im Berufsunfähigkeitsfall abgesichert. Die BU-Beratung ist eine sehr komplexe Angelegenheit, darum empfehle ich auf jeden Fall einen unabhängigen Versicherungsexpeten beizuziehen.

Fazit: Die private Berufsunfähigkeitsversicherung ist eine der wichtigsten Versicherungen, weil sie das Hauptvermögen – das Einkommen – absichert.