Wohnbaufinanzierung für Grenzgänger

Grenzgänger: Arbeit in der Schweiz oder in Liechtenstein, Immobilie in Vorarlberg

Grenzgänger pendeln zwischen zwei Ländern und beziehen ihr Gehalt in der Währung des Arbeitsortes. Viele österreichische Grenzgänger wohnen in Vorarlberg und pendeln in die Schweiz oder Liechtenstein. Nicht wenige Grenzgänger möchten sich – trotz der hohen Immobilienpreise – in Vorarlberg ein Traum vom Eigenheim oder der Eigentumswohnung erfüllen. Bei der Wohnbaufinanzierung für Grenzgänger gibt es einiges zu beachten. Martin Häusler ist Spezialist für die Baufinanzierung beim Kreditmakler B-Quadrat in Dornbirn und weiß worauf Grenzgänger zu achten haben.

Herr Häusler, was sind denn die Besonderheiten bei Grenzgänger, die in der Schweiz oder in Liechtenstein arbeiten und in Vorarlberg eine Immobilie kaufen bzw. finanzieren?

Martin Häusler: Da die Immobilienpreise im Rheintal bzw. mittlerweile eigentlich in ganz Vorarlberg sehr hoch sind, ist für die Finanzierung ein hohes Einkommen und ein Eigenkapital, von mindestens den Kaufnebenkosten, das sind in der Regel ca. 10 %, notwendig. In der Regel bringen Grenzgänger das mit, da die Löhne in der Schweiz und in Liechtenstein, deutlich höher sind als in Österreich. Die gute Bonität macht Grenzgänger für die Banken also attraktiv. Zudem profitieren Sie von einer Besonderheit bei der Altersversorgung. Aus der zweiten Säule, der Pensionskasse, gibt es nämlich eine Entnahme-Option für selbstgenutztes Wohnen. Die Entnahme muss zwar versteuert werden, Sie bringen jedoch zusätzliches Kapital, welches in die Finanzierung mit eingebracht werden kann.

Wenn österreichische Banken Immobilien für Grenzgänger finanzieren – geschieht das dann in Euro?

Martin Häusler: Größtenteils ja, denn mit einer Finanzierung im Euro gibt es mehr Möglichkeiten und da die Immobilie auch im Euro bewertet wird, bleibt der Kredit im Verhältnis zum Objekt konstant und verändert sich bei Währungsschwankungen nicht. 

Wenn jedoch das Gehalt in Schweizer Franken ausbezahlt wird und das Darlehen auf Euro basiert, bestehen natürlich Risiken durch die unterschiedliche Entwicklung der Währungen. Im Einzelfall ist das nicht ungefährlich. Aber, es gibt auch Banken, die Kreditverträge in Schweizer Franken anbieten. Das hat den Vorteil, dass das Währungsrisiko zwischen schweizer Einkommen und Kreditrate ausgeschlossen und der Kredit bzw. die Rückzahlung stabil ist.

Grenzgänger sollten Ihre Immobilienfinanzierung also lieber in Schweizer Franken abschließen?

Martin Häusler: Ganz so einfach ist es nicht. Baufinanzierungen in Schweizer Franken haben, aus der Sicht österreichischer Kreditnehmer, auch Nachteile. Zum Beispiel stehen viel weniger Produkte zur Verfügung und es gibt weniger Finanzierungslösungen. Zudem werden in der Regel fast ausschließlich Kredite mit einem variablen Zinssatz angeboten. Für Kunden, die sich eine langfristige Zinssicherheit wünschen, ist das nicht die beste Lösung.

Wie sieht denn nun die optimale Wohnbaufinanzierung für Grenzgänger aus?

Martin Häusler: Das ist schwierig pauschal zu beantworten, da es von vielen individuellen Faktoren abhängt. Für viele ist das eine Kombination zwischen Euro und Schweizer Franken. Das ist problemlos möglich und hat den Vorteil, dass man das beste aus beiden Welten bekommt. Einerseits minimiert der Franken Anteil das Währungsrisiko, andererseits erhält man mit der Euro Finanzierung eine viel größere Produktauswahl und eine höhere Flexibilität, z.B. durch lange Zinsbindungen, Zinsbandbreitenkrediten und vielen zusätzlichen individuellen Möglichkeiten. Welche Produkte und Währung bzw. welcher Mix konkret sinnvoll ist, ist aber von Fall zu Fall unterschiedlich.

Bekommen eigentlich Schweizer oder Liechtensteiner Staatsangehörige, die in Vorarlberg kaufen oder bauen wollen auch einen Kredit von einer österreichischen Bank?

Martin Häusler: Selbstverständlich. Das kommt sogar sehr häufig vor, denn als Kapitalanlage eignen sich Immobilien in Vorarlberg eher als in der Schweiz oder in Liechtenstein, wo die Mietrendite relativ gering ist. Auch Schweizer bzw. Liechtensteiner finanzieren die Wohnung oder das Haus im Ländle übrigens überwiegend in Euro. Das ist verständlich und sinnvoll, weil das Objekt in Euro bewertet wird und auch die Mieten in Euro gezahlt werden.